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... auch Topstars sind ganz normale Menschen...

"Habe schnell gemerkt, dass auch Topstars ganz normale Menschen sind"


24.03.2022 – thorsten eisenhofer

 

Johanna Ahrens (26/TG Viktoria Augsburg) startet seit fast einem Jahrzehnt in der 1. Bitburger 0,0% Triathlon-Bundesliga sowie der 2. Liga. Ein Gespräch über überraschende Begegnungen, Spaß und Freundschaft - und was sich von anderen Lebensweisen abschauen lässt.




Johanna, wenn wir über die Triathlon-Bundesliga sprechen, dann können wir weit zurückblicken. Ich habe 2014 mein erstes Erstliga-Rennen absolviert, bin zusammen mit Athletinnen wie Emma Jeffcoat oder Tamsyn Moana-Veale am Start gewesen. Es war natürlich für eine 17-Jährige ein tolles Erlebnis, mit Australierinnen im Team gewesen zu sein.

Was hast du von ihnen mitgenommen? Aus sportlicher Sicht war es sehr motivierend. Emma ist vergangenes Jahr bei Olympischen Spielen dabei gewesen. Ansonsten habe ich schnell gemerkt, dass auch die Topstars ganz normale Menschen sind. Ich weiß noch, dass ich beim Start eines Bundesligarennens mal neben Andrea Hewitt (dreimalige Olympia-Teilnehmerin aus Neuseeland, Anm. d. Red.) stand. Sie hat ganz normal Hallo gesagt.

Das hat dich überrascht? Ich habe nicht damit gerechnet. Ich dachte damals: Sie ist schon im Weltcup gestartet, sie ist etwas Besonderes. Und ich war natürlich mega stolz, mit ihr im gleichen Rennen starten zu dürfen.

Australier*innen wird eine besondere Lebensweise nachgesagt. Was konntest du von Athletinnen wie Emma mitnehmen? Sie sind so unglaublich gelassen. Bei ihnen geht die Welt nicht gleich unter, wenn etwas mal nicht so läuft wie geplant. Wenn die Anreise zu einem Wettkampf stressig ist und es nicht mehr reicht, um 20 Minuten Laufen und auch noch Schwimmen zu gehen, dann gehen sie halt nur Schwimmen. Sie lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen, sagen, es ist ihnen wichtiger sich auszuruhen und runterzukommen.

Du hast dann nach ein paar Jahren Triathlon-Leistungssport und der Zeit im Sportinternat in Neubrandenburg erst einmal einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Ich habe damals gemerkt, dass es auf der Sprintdistanz nicht für ganz oben reicht. Dafür hat einfach das Talent gefehlt. Deshalb habe ich gesagt: Es macht keinen Sinn, sich voll auf den Sport zu konzentrieren. Ich habe mir dann ein Jahr Auszeit gegönnt, bin nach Australien und Neuseeland gereist.

Dann bist du zum Studium nach München. Ich habe dann beim MRRC München wieder mit Triathlon begonnen. Die Mannschaft ist damals in der Regionalliga gestartet. Ich dachte, das passt, um Spaß zu haben. Dann sind wir zweimal aufgestiegen und waren in der 1. Bundesliga. Eigentlich wollte ich damals Leistungssport nicht mehr auf diesem Niveau betreiben, vor allem nicht auf den kurzen Strecken. Es hat mit der Mannschaft aber so viel Spaß gemacht, dass ich gesagt habe: ich bin dabei. 2018 hatte ich dann drei Einsätze in der Bundesliga.

Die vergangenen Jahre waren nicht einfach für dich: 2019 ein Kreuzbandriss, dann die coronabedingt wettkampfarmen Jahre 2020 und 2021. 2021 hast du dir das Schlüsselbein gebrochen, bist in der 2. Liga für Schongau gestartet und Dritte in der Einzelwertung am Rothsee geworden. Ich habe mittlerweile meinen Fokus auf die längeren Distanzen gelegt. Es reicht aber noch, um auf den kurzen Distanzen in der Zweiten Liga vorne mitzumischen. So habe ich mehr Spaß, als ich ihn in der Ersten Liga hätte.

Wer in der 2. Liga ganz vorne mit dabei ist, ist auch in der 1. Liga sicherlich nicht chancenlos. Ich spiele immer wieder mit dem Gedanken, ob es nicht Sinn macht. Aber die 1. Liga ist zeitlich doch ein ganz anderer Aufwand. Und mir ist es wichtig, dass ein Team eine richtige Mannschaft ist, wir auch Freunde sind und uns regelmäßig sehen. Ich starte diese Saison für die TG Viktoria Augsburg. Am vergangenen Wochenende haben viele von uns beim 10-Kilometer-Lauf in Augsburg teilgenommen. So etwas ist mir wichtiger als sagen zu können, ich habe noch so und so viele Rennen in der 1. Liga gemacht.

Dieses Jahr willst du auch auf der Mitteldistanz durchstarten. Ich habe 2017 meine erste Langdistanz absolviert, gemerkt, dass mir diese Distanz liegt (Johanna finishte diese in 10:20 Stunden, Anm. d. Red.). Nach den schwierigen vergangenen Jahren will ich es jetzt noch einmal wissen, dieses Jahr auf der Mittedistanz. Ich bin gespannt, wie es läuft, habe gemerkt, dass es mir fehlt, wenn ich keine Wettkämpfe absolvieren kann. Ich brauche eine Plattform, um mich zu beweisen. Dafür sind die Rennen der 2. Liga natürlich super.





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